Bianca Brömme

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Meine Liebe, wenn man Dich so sieht, wie ich Dich des öfteren gesehen habe, glaubt man zwar an Theater, aber nicht, dass Du dort im technischen Bereich tätig bist.

Ja, ich habe mich schon immer mit Technik beschäftigt. Im Maxim Gorki Theater habe ich auch in der Technik gearbeitet und dort die Organisation gemacht. Als ich dann aus der DDR ausgereist war, hatte ich zunächst in einer Textilfirma gearbeitet, weil ich erst einmal nichts am Theater gefunden hatte. Dann sah ich eine Anzeige von der Schaubühne und seitdem bin ich dort. Ich bin so zu sagen die rechte Hand des technischen Direktors.

Hattest Du jemals das Bestreben auf der Bühne zu sein?

Nein, überhaupt nicht. Es macht mir Spaß in der Technik zu arbeiten. Ich mag Technik, ich liebe es zu wissen, auch bei meinem Auto oder Videorekorder, wo etwas ist und wie es funktioniert, schon immer. Als Kind habe ich kaum mit Puppen gespielt, aber immer mit Autos. Ich bin als Frau eben vielschichtig.

Seit wann modelst Du?

Schon sehr lange. Früher habe ich viel für Magazine über die Modeagenturen, die es im Osten gab gearbeitet. Es gab zwar nicht sehr viele, aber immerhin. Und das ist schon sehr lange her, ich denke, dass ich in den 80iger Jahren damit begonnen habe.

Modeln ist ja normalerweise zeitlich begrenzt, altersmäßig, aber Du bist ja noch groß im Geschäft.

Ich werde tatsächlich sehr oft gefragt, dann freue ich mich.

Arbeitest Du mit einer Agentur?

Nicht mehr. Ich bin zwar in der ein oder anderen Agentur vertreten, doch da sind eher Schauspieler gefragt.

Hattest Du schon immer ein Faible für außergewöhnliche Sachen?

Schon immer.

Das war in der DDR sicherlich schwierig.

Ja, aber da konnte man das auch irgendwie arrangieren. Ich kannte auch immer Leute, die etwas außergewöhnlicher waren, man traf sich, tauschte Sachen miteinander aus – nicht nur Kleidung, sondern auch Gedanken. Da ich ja auch dort im Theater gearbeitet hatte, gab es auch andere Möglichkeiten sich auszuleben. Als Kind habe ich schon viel gezeichnet und Kleidung entworfen.

Damals hatte ich getanzt und meine Tanzkleider selber kreiert.

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Hattest Du mal die Idee Modedesignerin zu werden?

Hatte ich. Aber mein Vater war strikt dagegen. Er verlangte, dass ich was „Ordentliches“ lernte. Ich machte Abitur und musste dann Industriekauffrau werden. Aber das ist egal, das ist jetzt vorbei und damals wurde es halt so gehandhabt, dass man sich als Tochter wenig widersetzen durfte.

Hattest Du in dieser Zeit sehr gelitten?

Was heißt gelitten? Es hat mir wenig Spaß gemacht, es hat mich natürlich nicht so erfüllt, als wenn ich selbst etwas hätte kreieren können.

Das technische Verständnis hast Du Dir also selbst angeeignet?

Ich bin jetzt 31 Jahre am Theater. Aber meine Arbeit besteht ja auch größtenteils aus Organisation, also Gastspielvorbereitungen, Transporte, die Versicherungen, die Außenwirtschaftsdokumente erstellen, das ist mein Aufgabenbereich. Die Bühnentechnik der Schaubühne ist natürlich sehr interessant, aber damit habe ich nichts zu tun.

Wie stellst Du Dir die Zeit vor, in der Du nicht mehr arbeiten wirst?

Das ein oder andere mal habe ich daran gedacht, dass ich bestimmt wieder mehr zeichnen werde, ich will auf jeden Fall wieder anfangen, mehr Zeit dafür verwenden und mal sehen, was mich dann noch so alles erwartet. Möglicherweise mache ich noch was im Design, das könnte ich mir vorstellen. Allerdings wartet meine Tochter in den USA auch darauf, dass ich mal ein wenig länger bei ihr bleibe.

Da warst Du doch gerade, nicht wahr?

Genau. Meine Tochter lebt in Washington, aber wir haben eine kleine Tour gemacht. Washington und Chicago. Meistens bleiben wir drei Wochen bei meiner Tochter und eine Woche reisen wir an einen anderen Ort. Ich mag es, etwas länger an einem Ort zu bleiben, Land und Leute kennen zu lernen. Ich steige gerne etwas intensiver ein, möchte gerne ein Feeling für den Ort bekommen, an dem ich gerade bin, das normale Leben spüren. In Chicago waren wir in einem Blues Club und das war herrlich!

Zeichnest Du speziell Mode?

Das würde ich auch gerne machen, aber ich zeichne auch gerne Landschaften, ich liebe schöne, alte Bäume.

Das Umland von Washington D.C. ist ja auch sehr malerisch.

Ja, Virginia ist sehr schön, dort kann man gut leben.

Ich habe ja auch eine Weile dort in der Gegend gewohnt, auf einer Insel in der Nähe von Boston, auf Nantucket. Daher kenne ich den Lebensstil der Amerikaner der, wohl gemerkt, nicht ganz der meine ist.

Meiner auch nicht, aber ich habe die Leute als sehr freundlich empfunden. Die Dienstleistungen sind wesentlich besser. Das liegt daran, dass die Menschen dort kein Gehalt bekommen, sondern nur von ihren Trinkgeldern leben müssen. Das ist schrecklich. Die Trinkgelder sind den Kunden regelrecht vorgeschrieben, mindestens 15 bis 20 Prozent muss man geben. Nach wie vor ist es für die Leute nicht leicht davon zu leben, aber deshalb sind sie so freundlich.

Wie würdest Du Deinen Stil bezeichnen?

Ich sehe mich als sportlich elegant. Ich trage auch gerne Shorts und T-Shirt. Auf der Arbeit muss ich das ohnehin, wenn es z.B. Bauabnahmen gibt, da kann ich nicht in einem Kleid stehen. Da braucht es festeres Schuhwerk und eine Hose.

Wie hast Du den Kreis um die Designerin Monella Caspar kennen gelernt?

Auf einer Veranstaltung. So wie wir uns kennen gelernt haben. Ich fand sie außergewöhnlich. Man sieht sich, lächelt sich an und dann kommt man ins Gespräch. Wenn ich interessante Menschen sehe, dann möchte ich mehr als Guten Tag sagen. Ich liebe es mich mit anderen Menschen auszutauschen, die etwas besonderes an sich haben. Natürlich ist jeder Mensch besonders, aber da gibt es eben die, die eine gewisse Aura ausstrahlen.

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Abschließend noch eine Frage. Was wäre Dein Lebenstraum? Was würdest Du Dir gerne noch erfüllen?

Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Ich freue mich darauf, mit meinem Mann längere Zeit zu reisen, nicht nur einen Monat lang. Oder mal eine Zeit lang woanders leben. Das reicht mir völlig aus.

Ich danke Dir für dieses schöne Gespräch! Und hier noch unser Selfie des Tages!

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Katelijn Philips-Lebon

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Liebe Katelijn. Ich weiß, Du bist eine aus Belgien stammende Tänzerin.

Das war ich, hauptsächlich. Erst mal klassisches Ballet, dann Modern und Tanztheater.

Und in Berlin hast Du das nicht mehr gemacht?

In Berlin habe ich auch noch getanzt, aber zusätzlich eine Schauspielschule besucht. Ich hatte ungefähr 14 Jahre am Theater getanzt und dann bin ich nach Berlin gekommen, weil ich mehr mit meiner Stimme machen wollte. Deshalb begann ich an einer Schauspielschule Unterricht zu nehmen. Es war eine private Schule, allerdings mit sehr guten Lehrern, z.B. von der Ernst Busch Schule und von der UdK.

Sei wann bist Du in Berlin?

Seit 1997.

Und hat sich die Vorstellung, die Du von Berlin hattest, bestätigt?

Ich fand Berlin am Anfang sehr schwierig, weil ich meistens in kleineren Städten getanzt hatte, Flensburg, Aachen, Kaiserslautern und Karlsruhe. Wenn man in einem Ensemble tanzt, ist das wie eine Familie. An einer Schauspielschule ist das anders. Man hat diese Familie nicht mehr, man hat diesen Halt nicht mehr. In Berlin lernt man sehr schnell Leute kennen, aber auch wieder nicht.

Es ist schwierig in Berlin die Menschen zu bündeln.

Ja, zu bündeln. Man lernt ganz schnell ganz viele Leute kennen und dann muss man sehen, wer passt und wer nicht passt, beruflich und privat.

Jetzt machst Du zusätzlich Chanson?

Ja, das mache ich seit 2004/5. Zunächst habe ich Coverversionen gesungen, von Brel, Piaf, Kaas und jetzt schreibe ich auch eigene Texte, aber die Musik schreibt mein Gitarrist.

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Wo trittst Du auf?

Im Moment gerade nicht, aber ich war im Juni in der Belgischen Botschaft zum Irisfest, das ist ein Brüsseler Fest. Auch im Monat darauf wurde ich in die Belgische Botschaft zum Abschiedskonzert des belgischen Botschafters geladen. In Berlin trete ich nicht so oft auf, eher im Norden, in Schleswig-Holstein. Ich war aber auch in Düsseldorf beim Frankreichfest oder in Magdeburg beim Europafest.

Arbeitest Du mit einer Agentur?

Ja, ich bin bei der ZAV als Sängerin und ich hatte auch schon tolle Jobs. Ich war in Paris, dort aber nicht als Sängerin, sondern als Schauspielerin und Sprecherin. Ich war die Stimme eines Roboters. Es war sehr anstrengend und ging über 3 Wochen. Wir waren von einer großen deutschen Autofirma für dieses Projekt engagiert worden, es gab 6 Sprecher, wobei ich die einzige war, die aus Deutschland kam. Man musste Französisch, Englisch und Deutsch können, doch da waren manchmal auch Leute aus Flandern oder Niederländer, so dass ich auch flämisch sprach. Man konnte mich aber nicht sehen, man sah nur den Roboter und hörte meine Stimme.

Wie fühlst Du Dich, als Europäerin oder als Belgierin? Im Zuge der Nationalisierung in Deutschland und Europa, ist das ja durchaus ein Thema.

Das ist schon ein Thema. Ich finde es sehr traurig, was hier im Moment passiert, aber ich finde, man sollte versuchen sich doch auf die positiven Seiten zu fokussieren. Ich glaube, man guckt in der Gesellschaft viel zu sehr auf die negativen Sachen und die positiven werden fast nie erwähnt. Es gibt aber auch Gutes und Dinge, bei denen die Leute zusammen kommen. Aber um auf Deine Frage zurück zu kommen, in erster Linie fühle ich mich als Europäerin, dann Belgierin, als Deutsche aber nicht. Ich fühle mich aber deutsch, ich weiß nicht, ob ich noch eine typische Belgierin bin.

Gibt es das?

Ich finde schon, dass jedes Volk seine Eigenheiten hat.

Die gibt es aber auch innerhalb eines Landes. Ein Norddeutscher unterscheidet sich sehr von einem Bayern.

Stimmt. Ich bin Flämin und ich denke, wir sind nicht so selbstbewußt. Wir sind erst einmal zurückhaltend und öffnen uns nur allmählich. Holländer, Franzosen und auch Deutsche stehen eher aufrecht und zeigen was sie können, das machen die Flamen nicht.

Du unterrichtest auch, gibst Coachings und machst nach wie vor Tanztheater, ist das richtig?

Ich führe gerade Regie bei einem Projekt. Insofern kann man sagen, dass ich noch dabei bin. Ich unterrichte Kinder an der Montessori Schule. Da machen wir aktuell Projekte mit den Texten der Kinder. Wir wählen das Thema aus, aber wir lassen die Kinder die Texte schreiben. Auch arbeiten wir mit deren Bewegungen, doch dann helfen wir dabei, alles zu strukturieren. Das ist schon sehr professionell. Manchmal sind wir auch in Grundschulen. Das sind dann natürlich andere Themen, aber es kommt auch immer etwas Schönes dabei heraus. Man sieht, wie die Kinder zusammen wachsen. Vieles geschieht nonverbal und wenn sie ihre Stimme nutzen, dann geschieht das auf eine andere Weise, weil sie auch mal schreien dürfen oder laut lachen. Und auch da nutzen wir die eigenen Texte der Kinder.

Hast Du etwas exzentrisches in Dir?

Ich glaube schon, wobei es andere waren, die mich so sahen. Vielleicht durch meinen Beruf, obwohl das für mich normal ist, halten andere mich für etwas spezielles, etwas besonderes. Ich sehe das nicht so, weil es für mich eben nicht außergewöhnlich ist.

Wie alt warst Du, als Du Tänzerin werden wolltest?

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Ich war 3, als ich das wollte. Alle meine Schuhe waren an der Spitze vom Tanzen kaputt, aber ich wollte sie nicht wegschmeißen. Irgendwann waren sie einfach zu klein. Mit 8 begann ich mit Modern Dance und mit 17/18 Jahren bin ich dann als freie Studentin auf die Ballettschule gegangen. Das ist normalerweise spät, aber ich habe ja auch noch Abitur gemacht.

Hat Deine Familie Dich unterstützt?

Meine Mama hat mich gepuscht. Ich hätte schon mit 12 die Aufnahmeprüfung an der Ballettschule machen können, tat es aber nicht. Vielleicht war ich zu nervös, doch dann habe ich erkannt, dass es das war, was ich wollte. Mein Vater meinte, ich solle das Gymnasium beenden, aber er unterstützte auch das Tanzen. Er ist sehr früh gestorben. Ich war 14 und meine Mama wußte, dass ich tanzen wollte und sie wollte auch den Wunsch meines Vaters respektieren. Sie hat alles möglich gemacht, sogar einen einjährigen Aufenthalt an einer fantastischen Schule in Kanada.

Was bedeutet Dir Mode?

Ich mag schöne Klamotten. Ich war froh über diesen schönen Sommer, weil ich ganz viele Kleider und Röcke tragen konnte. In einem Kleid spürt man den Körper anders, der Wind fängt sich darin…ich trug in diesem Sommer oft ein Blumenkleid im Stil der 50iger/60iger und hatte das Gefühl, der ganze Körper atmet.

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Wären die 50iger und 60iger Jahre Dein Kleidungsstil, also jenseits der Bequemlichkeit denkend?

Ich trage gerne Jeans, aber ich finde die 50iger schon stilvoll, auch die Mode zu Anfang der 60iger. Das ist sehr elegant, sehr schön. In meinem Video Clip trage ich auch einen Rock in diesem Stil, den ich bei meiner Nachbarin gekauft habe, die ein ganz tolles Geschäft hat. Dazu trug ich eine Bluse, die schon ganz lange in meinem Schrank hing, die Bluse meiner Patentante. Ich denke, die ist aus den 30iger/40iger Jahren, ganz fein genäht und alle sagten: wow! Das ist eine Qualität, die man heute nicht mehr findet. Die Bluse ist aus Baumwolle, aber es sieht aus wie Seide. Ich kann nicht nähen, aber mein Mann näht mir Klamotten. Ich habe meinen eignen Couturier.

Über das Theater und den Tanz hat man ja auch sehr viel mit Kostümen zu tun. War das eine zusätzliche Freude?

Das war schon schön. In Aachen haben wir die Kameliendame aufgeführt und wir trugen eng anliegende Seidenkleider, die alle von den Kostümbildnerinnen auf unsere Körper zugeschnitten und angepasst wurden. Dann wurde man mit den Perücken gestylt. Mein Make Up habe ich meistens selbst gemacht, aber spezielle Schminke wurde von den Maskenbildnern angefertigt. Das war großartig und man trug einfach alle möglichen Stilrichtungen. Deshalb habe ich mich privat dann nicht mehr so herausgeputzt.

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Wo siehst Du Deine Zukunft?

In Berlin denke ich, aber was ich genau machen werde, weiß ich nicht. Im Moment unterrichte ich viel, aber ich würde auch gerne mehr singen oder spielen. Sprecherjobs mag ich auch, mal sehen. Ich hatte ein paar Jobs als Synchronsprecherin, auch für Kinoproduktionen und auch in meiner Muttersprache. Das mach mir viel Freude. Als freie Künstlerin muss man breit gefächert bleiben, es sei denn, man ist berühmt. Die Zeiten sind vorbei, in denen man so zielgerichtet arbeiten konnte. Man muss mehrere Optionen haben. Ich würde mich aber immer wieder für diesen Beruf entscheiden, denn es ist das, was ich wollte. Es ist vielleicht nicht immer einfach, aber ich wäre als Mensch eingegangen, wenn ich es nicht gemacht hätte.

Ich auch, liebe Katelijn. Danke für diesen kleinen Einblick in Dein Leben.

Die Hauptstadtharfe

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Liebe Simonetta. Eine schöne Frau und eine Harfe. Das ist ein Klischee. Wie gehst Du damit um?

Ich bediene es gerne, also das positive Klischee. Aber ich breche es auch gerne.

Wie brichst Du es?

In dem ich Stücke spiele, die man von mir nicht erwartet. Manchmal auch in Kombination mit anderen Musikern, mit Schlagzeug, E-Gitarre und Gesang. Und mit meinen Outfits natürlich. Zum Beispiel, in dem ich einen maßgeschneiderten Catsuit trage, oder ein Latexkleid oder andere ganz abgefahrene Sachen, die einem nochmal zusätzlich Aufmerksamkeit bringen, jenseits der musikalischen Ebene. Es kommt natürlich immer auf das Event an.

Steckt dahinter eine Provokation?

Ein bisschen schon.

Warum hast Du die Harfe als Instrument gewählt?

Als ich drei oder vier Jahre alt war, habe ich in der Oper im Orchestergraben eine Harfe gesehen. Es war ein goldenes Instrument! Ich musste aber erst einmal Klavier lernen, Wettbewerbe spielen und mich beweisen. Dann erhielt ich ein Stipendium und hierdurch konnte ich den Harfenunterricht und die Leihharfe finanzieren. Den Unterricht brauchte ich für die Aufnahmeprüfung, denn bereits da muss man perfekt spielen können. Nach dem Abitur machte ich zunächst ein Jahr Pause, reiste durch Europa um mich finden und nachzufühlen, ob ich wirklich Harfe studieren wollte. Es gab ja noch Alternativen, Musiktheater zum Beispiel. Ich habe viele Regieassistenzen im Jugendtheater gemacht, Theater Strahl beispielsweise, oder im ehemaligen Metropoltheater, dem heutigen Admiralspalast. Die Bühne war mir wichtig und Musik immer meine Leidenschaft. Also legte ich mich nach meiner Pause ins Zeug und machte die Aufnahmeprüfung an der Hanns Eisler Schule.

Du arbeitest aber hauptsächlich als Solistin, oder?

Ja, aber ich würde gerne mehr mit meiner Band auftreten. Das macht mir am meisten Spaß. Zu sehen, wie irritiert die Leute auf uns reagieren, wie positiv sie aber auch überrascht sind, wenn man Stücke von Michael Jackson spielt. Wenn sie dann noch zu Tanzen beginnen, macht mich das glücklich.

Ist das eine spezielle Harfe, die Du spielst? Da gibt es ja ganz viele Unterschiede.

Das ist eine ganz normale Orchesterharfe, eine Doppelpedalharfe. So nennt man sie, weil sie sieben Pedale hat. Die sieht und hört man in jedem Orchester.

Was wäre Dein Traum?

Es gibt viele Ideen und vieles, was ich gerne machen würde. Zum Beispiel arbeite ich derzeit an einem neuen Projekt mit einem sehr guten Sänger. Wir spielen Cover-Versionen, aber auch Eigenkompositionen. Einen Hit zu schreiben, wäre ein Traum. Think big! Und natürlich noch ganz viel mehr hochkarätige Events!

Man sieht Dich oft auf hochkarätigen Events. Arbeitest Du mit einer Agentur?

Ich arbeite mit vielen Agenturen, werde aber von keiner exklusiv vertreten. Achtzig Prozent meiner Auftritte kommen durch Empfehlungen zustande.

Gab es Steine, die man Dir in den Weg legte? Von der Familie, wegen der Entscheidung Musikerin zu werden? Das wird ja oft mit Skepsis betrachtet.

Eigentlich wurde ich von zu Hause immer gefördert. Ich musste ja, wie gesagt, mit acht Jahren beginnen, Klavier zu spielen. Aber ich war nie gut genug. Nie war etwas schön und ich wurde nie gelobt. Insofern waren das schon Steine, die mir in den Weg gelegt wurden, aber es war auch ein Ansporn. Ich sagte mir dann, denen zeige ich es! Als Kind ist das schwierig, wenn man noch nicht so viel Selbstbewußtsein hat und von allen gemocht werden will.

 

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Bleibt davon was hängen?

Natürlich. Das merke ich jeden Tag. Weitere Steine wurden mir aber tatsächlich von Mitstudierenden in den Weg gelegt, weil ich schon ganz früh den Weg, auf Events zu spielen, eingeschlagen hatte. Damals spielte ich im Deutschen Theater auf der Bühne Neue Musik mit Flöte und Bratsche. Mit Theatergrößen wie Ulli Matthes und Sven Lehmann. Neue Musik ist ganz schwierig, ganz mathematisch und das spielte ich dann auch in meinem Diplom und meine Studienkollegen saßen da, mit verschränkten Armen und rollten mit den Augen. Also auch da wurde wieder gespiegelt, ich bin nicht gut genug. Das hat natürlich noch mal ordentlich in die Kerbe, die ich ohnehin schon hatte, reingehauen. Aber ich habe es durchgezogen und mir zum Glück relativ früh einen Namen gemacht. Im Jahr 1999 oder 2000 war ich die einzige Harfinistin mit einer Homepage. Die brachte mir Eventauftritte und mit der Zeit baute ich mir ein großes Netzwerk auf, so daß ich immer mehr Aufträge bekam. Irgendwann bekamen die Leute dann mit, dass man damit auch Geld verdienen kann und machten es mir nach.

Waren das Dünkel, nach dem Motto, wie kann man als klassische Musikerin auf Events auftreten?

Ja, aber das gibt mir wieder den Push, euch werde ich es zeigen. Und, sollen die doch in ihren Orchestergräben bleiben! Ich habe mit Beyonce gespielt, ich habe hervorragende Referenzen. Meine Art zu spielen ist sehr emotional und das ist auf einer Harfe schwierig. Ich habe aber eine große Liebe zu meinem Beruf, zu dem was ich mache. Es ist meine Berufung und ich hoffe, das sieht man auch. Neulich hatte ich ein Konzert, wo die Leute total viel applaudiert haben und das bei einem ganz einfachen Lied. Dieses Lied ist wirklich leicht zu spielen, man kann das vom Blatt spielen, aber es so zu spielen, dass es den Zuhörer zu einem derartigen Applaus bewegt, das ist ganz schwierig. Mein Ding ist es, moderne oder klassische Stücke auf sehr emotionale Weise zu spielen.

Ich finde auch, dass die Emotion, bei aller Perfektion, nicht auf der Strecke bleiben darf.

Man muss ja gar nicht perfekt sein. Es ist gar nicht schlimm, wenn man mal einen Fehler macht. Die Hauptsache ist, die Emotion stimmt. Das wußte schon Beethoven.

Deine Tochter ist auch ein künstlerischer Mensch. Wirst Du das fördern?

Ich bin ein großer Fan meiner Tochter, unabhängig davon, dass sie meine Tochter ist, weil ich ganz großartig finde was sie macht. Und natürlich fördere ich das und zwar, indem ich sie einfach machen lasse. Ich finde, wenn man sieht, dass ein Kind kreativ begabt ist, muss man es einfach machen lassen. Anders ist es bei einem Instrument. Das muss man lernen. Würde ich meine Tochter einmal wöchentlich zum Kunstunterricht schicken, würde ihr das gar nicht gefallen. Dann würde sie nie wieder malen wollen.

Dann wäre sie auch wieder eingesperrt.

Und bevormundet. Man würde ihr sagen, was sie machen soll. Ich habe ihr aber in den Sommerferien einen Nähkurs spendiert, damit sie lernt, mit einer Nähmaschine umzugehen. Das fand sie auch ganz toll. Normalerweise wird dann ein Projekt vorgegeben, aber meine Tochter brachte ihr Projekt selbst mit. Das fand man dort sehr interessant. Also insoweit fördere ich sie, dass ich sie machen lassen und sie mal gezielt zu einem Kurs schicke, wenn sie das will.

Deine Outfits sind ja immer sehr speziell, das kann man auf Facebook sehen. Du siehst immer sehr schön aus. Ist das Teil Deiner Persönlichkeit, Deiner Art, Dich künstlerisch zu präsentieren? Manche fragen sicherlich, geht es auf der Bühne um die Musik oder um das Aussehen?

Es geht um beides. Man muss sich ja als Dienstleister, auch wenn es unkreativ klingt, aber ich bin Dienstleister, in die Auftraggeber, bzw. deren Publikum hinein versetzen. Die wollen nicht nur etwas schönes hören, sondern auch etwas schönes sehen.

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Du bist privat aber auch schön!

Aber anders. Wenn ich bei der Schlössernacht spiele, passt mein privates Outfit natürlich nicht.Es gab einen Aha-Moment in meinem Leben und zwar im Zuge meiner ersten Aufnahmeprüfung an der Hanns Eisler Schule, die ich nicht bestanden hatte. Damals sagte man mir, ich hätte kein Rhytmusgefühl. Daraufhin bin ich nach Österreich, nach Graz, gegangen und da nahm man mich mit Kusshand. Nach einem halben Jahr fiel mir als Berlinerin dort jedoch die Decke auf den Kopf und ich ging zurück und dieses Mal nahm mich die Hanns Eisler Schule auf. Die Bedingung war allerdings, dass ich nach einem Semester ein Konzert geben musste, nach dem Motto, mal schauen, ob es sich lohnt, sie hier studieren zu lassen. Zu diesem besagten Konzert trug ich ein schwarzes Kleid. Dann begann ich mich zu schminken und das war wie eine Meditation, ein mich auf mich konzentrieren. Dieses Konzert ist super gelaufen und ich durfte weiter studieren. Das war der Moment in dem mir klar wurde, auf der Bühne auch auf meine Optik Wert zu legen. Nicht nur für das Publikum, sondern auch für mich.

Wie hältst Du es privat mit Mode?

Ich bin sehr an Mode interessiert. Ich bin entsetzt, aus welch schlechten Stoffen die Mode heute gefertigt wird, wenn man zu Primark oder H&M geht. Oft sind die Schnitte ganz schön, aber die Stoffe! Ich versuche meinen eigenen Stil zu interpretieren, sportlich-elegant, möchte mich aber in keine Schublade stecken lassen. Ich liebe Hüte, die sind mir sehr wichtig und ich fand Alexander McQueen wahnsinnig spannend.

Das passt auch ausgesprochen gut zu Dir. Vielen Dank, liebe Simonetta, dass Du Dir die Zeit genommen hast.

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Unser Selfie ist wegen eines Gewittersturms in einer Katakombe der Zitadelle Spandau aufgenommen worden.

Jonny Egon Sache

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Lieber Jonny, ich kenne Dich als Maler, so habe ich Dich kennen gelernt. Du malst immer noch, oder?

Immer noch, natürlich. Kreativität ist für mich das A und O. In jeglicher Form. Alles, womit ich mich ausdrücken kann, womit ich meine Ideen umsetzen kann, ist meine Welt.

Machst Du das schon Dein Leben lang?

Ich habe 2009 mit der Malerei begonnen und bin über meine erste Leidenschaft, dem Tanz, zum Malen gekommen.

Tango, nicht wahr?

1978 habe ich mit Rock ’n’ Roll und Boogie Woogie angefangen. Das waren Zeiten, in denen ich noch Haare auf dem Kopf hatte und eine Elvis Tolle trug. Das ergänzte ich vor 20 Jahren mit Standard und Lateinamerikanischen Tänzen. Vor acht Jahren habe ich den Tango argentino für mich entdeckt. Darüber bin ich dann zur Malerei, zur bildenden Kunst gekommen. Ich ging an einem argentinischen Restaurant vorbei und sah ein Bild mit der Aufschrift: Heute Tangoabend. Abends bin ich hin und dann immer wieder. Nach einer Weile hatte ich mich mit der Wirtin befreundet. Sie war Künstlerin und hatte ihr Restaurant natürlich mit ihren Werken ausgestattet. Irgendwann, bei einem Gespräch, blickte sie mir tief in die Augen und sagte: Mal doch auch. Ich antwortete, dass ich gar nicht malen könne aber sie meinte, ich könne das. Ich überlegte, was ich machen sollte – ich bin ja völlig unbeleckt ans Malen heran gegangen – bin ja überhaupt in allen Dingen Autodidakt. Ich kaufte mir also eine kleine Leinwand, ein paar Farben und Pinsel und überlegte. Ich erinnerte mich irgendwo mal gehört zu haben, ein Selbstporträt sei das Schwierigste überhaupt. Also entschied ich mich dazu und dachte, wenn ich mir ähnlich sehe, dann bleibe ich bei der Malerei. Malen und Tanzen sind für mich zwei Seiten derselben Medaille. Wenn ich male, habe ich meine Leinwand, meine Farben, die Pinsel und damit erschaffe ich ein Bild. Wenn ich tanze habe ich anstatt der Leinwand das Parkett, statt der Farben die Musik und statt des Pinsels meinen Körper und ich erschaffe auch ein Bild, ein temporäres. Einen guten Tänzer erkennt man daran, dass er nicht steril irgendwelche Schrittfolgen tut, sondern sich in die Musik fallen läßt und ihr ein Bild gibt.

Wie kam es dann zum Steampunk?

Das war auch eine lustige Geschichte. Ich bin in vielen Künstlergruppen und in der einen gab es mal eine Veranstaltung von einem Künstlerkollegen, Norbert Gladis aus Meissen. Er lud mich zu einem Künstler Lagerfeuer Wochenende an der Ostsee ein. Als ich ihn das erste Mal traf, fand ich keinen Freund, sondern einen Bruder. Mein neuer Bruder war schon recht lange in der Steampunk Szene. Er ist surrealer Maler, so fantastisch, das werde ich in meinem ganzes Leben nicht erreichen können, und er infizierte mich mit dem Steampunk Virus. Als ich die Szene näher kennen lernte, stellte ich fest, dass die Leute sehr liebenswürdig, sehr offen, sehr frei und sehr hilfsbereit sind.

Steampunker sind Macher. Wir machen alles und wir haben drei Mal Spass. Das erste Mal, wenn man sich in Second Hand Läden oder auf  Trödelmärkten herumtreibt um die Utensilien zusammen zu suchen – Messingteile, alte Lederkoffer, Holzkisten – den zweiten Spass hat man, wenn man die Dinge zusammenfügt und eine überdimensionierte Steampunk Kreation daraus wird, und den dritten Spass hat man dann bei den Treffen, wenn man das ganze vor- und ausführen kann.

Siehst Du privat auch immer so aus?

Nein, ich habe ja auch einen Brotjob. In der Kunst hat sich seit den Zeiten von Wilhelm Busch wenig geändert der mal gesagt hat: Oft trifft man wen der Bilder malt. Viel seltener den, der sie bezahlt. Um mein Leben und meine Freuden zu finanzieren, brauche ich einen Job. Das heißt drei Tage Brotjob, vier Tage Kunst. Eine gute Balance. Ich schaue also nicht immer so aus. Steampunker, im viktorianischen Zeitalter angesiedelt, sind Zeitreisende. Die können nicht immer extravagant sein, sondern müssen auch mal untertauchen. Bei einer Rock n‘ Roll-Veranstaltung trage ich dann auch wieder gerne mal Ringelsocken und Krempeljeans.

Aber die Elvis Tolle hast Du nicht mehr…

Nein, die ist mir leider abhanden gekommen, erblich bedingt. Vater Glatze, Großvater Glatze, was soll da bei mir übrig bleiben?

Steht Dir aber sehr gut.

Ja, man kann Schiebermützen aufsetzen. Die passen sowohl zum Steampunk als auch zu den 50iger Jahren. Ich habe das Glück, ein Mützengesicht zu haben, die richtige Kopfform.

Steampunk ist in England entstanden?

In den 80iger Jahren in England und den USA. Es gab zunächst eine Stilrichtung, die sich Cyberpunk nannten, Endzeitgeschichten à la Mad Max. Daraus entwickelte sich der Steampunk, der nicht diese Endzeitstimmung hat, sondern eher viktorianisch, sehr verspielt, sehr vielfältig daherkommt. Man spielt eigentlich Crossplay, stellt einen Charakter aus einem Film oder einem Roman dar. Da 1900 auf der ganzen Welt stattfand, kann ich mich sowohl als Cowboy, als Chinese oder Araber kleiden, ebenso, wie ich die Berufe der Zeit verkörpern kann, Luftschifffahrtskapitän, Detektiv, Dampfmaschinenmaschinist, Graf mit Frack und Zylinder, es gibt keine Grenzen.

Gibt es für Dich einen Schwerpunkt?

Dazu bin ich zu wandelbar. Ich mache es der Stimmung und, wie heute, dem Wetter entsprechend. Heute ist eher der orientalische Look angesagt. Ich bin in meinen Outfits nicht festgelegt. Allerdings habe ich den Anspruch, bei jeder Veranstaltung etwas anders aufzutreten, nicht zweimal das Gleiche. Wenn ein Outfit oder eine Gerätschaft fertig ist, dann möchte ich ja gleich wieder etwas neues erschaffen.

Was machst Du dann mit den Sachen?

Momentan liegt und steht vieles bei mir zu Hause und ich beginne langsam, mich von einigen Dingen zu trennen. Ich hatte gerade ein Gespräch mit einer sehr netten Dame geführt, die hier in Berlin ein Bastelgeschäft hat und gerne ein paar Sachen von mir in Kommission nehmen möchte. Dann habe ich wieder Geld für neue Materialien und wieder Platz geschafft. Mir fällt es nicht schwer, mich von Dingen zu trennen, weil der Schaffensprozess das eigentlich Schöne ist. Wenn etwas fertig ist, egal ob ein Bild oder ein Kästchen, dann ist es für mich zwar immer noch schön, aber hat natürlich nicht mehr den Reiz des Machens.

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Bei der Kunst ist der Schaffensprozess ja immer der schönste Teil, man arbeitet auf einen Punkt hin und dann kommt die Leere. Wirkt denn der Steampunk auch in Deine Malerei ein?

Teilweise. Wenn ich Bilder male, dann bewegen mich zum Teil andere Dinge, viel politischer. Im letzten Jahr hatte ich eine Ausstellung namens Tick Tack Toe – Krieg und Terror kennen keine Gewinner. Es ging um Gewalt jeglicher Art. Ob häusliche Gewalt oder die brutale Gewalt des Krieges, Terror, jede Art von Gewalt ist mir ein Greuel. Mit solchen Themen beschäftige ich mich in meiner Malerei. Allerdings habe ich auch schon drei Steampunk Bilder gemalt, weil es mich einfach mal gereizt hat. Doch da gibt es ganz viele Künstler, die so viel besser sind, dass ich mich nicht mit ihnen messen will. In meinen Werken ist die Aussage immens wichtig.

Und hast Du in der nächsten Zeit eine Ausstellung?

Ich habe jetzt eine Ausstellung gemeinsam mit einigen Freunden der Berliner Kunstwand. Das ist ein Zusammenschluss bildender Künstler, die sich zur Aufgabe gemacht hat, ihre Kunst in den öffentlichen Raum zu tragen. Jeder Künstler hat ein leicht transportables Modul, Aluschienen an der Seite und in der Mitte vier Styroporplatten, wie man sie im Baumarkt kaufen kann. Die werden grundiert und jeder Künstler kann sich darauf verewigen, in welcher Form auch immer. Es gibt keinerlei Vorschriften außer, es darf nicht rechtsradikal und nicht pornografisch sein. Letzteres, weil wir ja im öffentlichen Raum sind. Ein Modul ist einen Meter breit, zwei Meter hoch. Also jeder hat vier Quadratmeter Fläche für seine Kunst, schreibt seine Webseite in eine Ecke, weil es ja wie eine Visitenkarte ist und dann werden sie mit einem System verknüpft, ähnlich wie ein Paravent aufgestellt und je mehr Künstler teilnehmen, desto länger ist die Kunstwand. Ein bisschen wie die Eastside Galery, nur mobil. Als Künstler kann man sich kaum Ausstellungen in Galerien leisten. Ausnahmen gibt es, wie zum Beispiel die Ausstellung, die ich jetzt am 23. August im Gemeinschaftshaus Gropiusstadt vor mir habe. Aber meistens muss man Geld mitbringen. Man muss immer in Vorleistung gehen und ob etwas verkauft wird ist fraglich. In Berlin wird zwar viel gemacht, aber wenig gekauft. Um dem entgegen zu wirken, haben wir die Berliner Kunstwand. Da sieht man uns bei Festen, beispielsweise dem Pankower Kunstfest. Wir machen aber auch flashmobartige Aktionen. Wir nennen das jedoch Kunstblitze, weil wir das englische Wort nicht mögen. Man verabredet sich sonntags vor dem Brandenburger Tor und steht da, bis die Polizei einen verscheucht. Die Berliner Kunstwand ist für Künstler eine Möglichkeit, ihre Werke zu zeigen, ohne dass Kosten entstehen.

Sind die einzelnen Module käuflich zu erwerben?

Natürlich. Der Gründer der Berliner Kunstwand, der Künstler Knuzen, der sich das Ganze erdacht hat und patentieren ließ, bereitet die Module für die Künstler vor, die sie verkaufen können. Jeder ist aber auch aufgerufen, selbst aktiv zu werden. Es gibt keine Leitung der man folgt, jeder hat die Möglichkeit seine Ideen einzubringen.

Denkst Du, dass Du der Steampunk Szene erhalten bleibst?

Auf jeden Fall. Die ist so vielfältig, die hat mich so gepackt. Dem Rock n‘ Roll bin ich ja auch noch treu – wenn mich etwas begeistert, dann bleibe ich auch dabei.

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Hier natürlich noch das obligatorische Selfie mit Jonny Egon Sachse und mir.

Miss Victorine

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Liebe Leserinnen und Leser.

Ich habe mir eine wohlverdiente Sommerpause gegönnt. Heute geht es aber weiter mit den Interviews. Viele meiner Facebook-Freunde kennen sie sicherlich. Die zauberhafte Sängerin und Plus Size Model Victorine Toko di Mfuana .

Liebe Victorine. Wie bist Du denn zum Singen gekommen, erzähl das doch bitte mal.

Ich habe schon immer gesungen. Aber mein Musiklehrer in der achten Klasse sagte, Musik habe etwas mit Mathematik zu tun und da ich in Mathe schlecht war, ging ich davon aus, dass ich wohl nie gut in Musik sein würde. Ich sang aber trotzdem weiter und meine Schulkameraden waren ziemlich von meiner Stimme angetan. In der neunten Klasse hatten wir Blue Notes. Meine Klassenkameraden rieten mir dort vorzusingen. Daraufhin wurde ich von meinem Lehrer gefragt, ob ich nicht im Chor singen wolle. Natürlich wollte ich nicht in einen klassischen Chor, sondern eher in einen Pop oder Gospelchor – diese Richtung hatte ich schon immer. Als ich mich dann in einem passenden Chor vorstellte, war der Chorleiter hocherfreut über meine tiefe Stimme, denn Sopranistinnen hatte er genügend. Beim ersten Mal gab es zum Ende der Probe eine Improvisation. Alle standen im Kreis, dann ertönte ein Grundbeat und darauf sollte improvisiert werden. Ich stand da und habe keinen Ton herausgebracht. Ich war fünfzehn Jahre alt und habe meinen Mund nicht aufbekommen. Ich fühlte mich ganz schrecklich. Heulend setzte ich mich in das Auto meiner Mutter und sagte: Ich gehe da nie wieder hin! Meine Mutter antwortete: Und wenn ich dich jeden Mittwoch zur Probe fahre, Du singst jetzt! Das war dann quasi der Anfang.

Wann hast Du Dich professionalisiert?

Im Chor hatte ich nach und nach meine Soli und der damalige Pianist des Chores sah wohl mein Talent. So sang ich mit ihm schon mal auf diversen Veranstaltungen. Später bildete sich aus dem Chor eine kleine Splittergruppe, die nannten sich Voicesex, aus Voice und Sextett. Mit ihnen war ich dann unterwegs und irgendwann hatte ich das Gefühl, dass der richtige Zeitpunkt da war. Ich beantragte einen Gründungszuschuss und machte mich selbständig als Vocal Artist und Plus-Size-Model.

Hier kommt das Stichwort. Das ist ja quasi Deine 2. Karriere. Wie kamst Du zum Modeln?

Eine Freundin von mir hatte schon ein bisschen gemodelt. Sie war ganz schlank, blond mit ellenlangen Beinen, 1,77 groß und zu Beginn gingen wir immer zum Künstlerdienst des Arbeitsamtes. Da waren wir 18 oder 19 Jahre alt. Die Dame, die dort saß, sah mich abschätzend an und sagte: Naja, kurvig oder mollig allein genügt nicht, man muss auch wohlproportioniert sein. Damit war ich zunächst völlig demotiviert. Das hat etliche Jahre nachgewirkt. Mit meinem heutigen Selbstbewußtsein hätte ich wahrscheinlich gesagt: Wollen wir doch mal sehen, Püppi! Später hatte ich bei einem Ulla Popken Wettbewerb mitgemacht, das war leider nichts, aber dann wurde diese Rubensengel Wahl ausgeschrieben. Der Anmeldeschluss war am, ich sage es mal so, 23. 4. und ich habe am 22.4. um 23:57 die E-Mail mit meinem Foto abgeschickt. Mittags bekam ich schon die Antwort, dass ich in die Vorauswahl gekommen war und erhielt eine Einladung zum Casting nach Nürnberg. 100 waren insgesamt eingeladen, aus 1.600 Online-Bewerbungen. 50 sind am Ende gekommen und unter den letzten 20 war ich. Es fühlte sich ein wenig an wie GNTM für Dicke, das Hotel, die Challenges, die Fotoshootings. Von meinen Kolleginnen wurde ich zur beliebtesten Teilnehmerin des Wettbewerbs gewählt also, ich bin die Miss Beloved 2011. Im Zuge dieser Competition erhielten wir eine Wild Card für die MOS, also dem Model Organisation Service von Ingrid Martin und im November hatte ich dann meinen ersten Job für Ulla Popken. Spannend war festzustellen, dass ich zum Beispiel bei Ulla Popken laufen darf, aber der Plus Size Markt, zumindest hier in Deutschland, festen Körpernormen unterliegt. Die Maße müssen ausgewogen sein. Wenn bei den Schlanken 90-60-90 gilt, dann gilt für Plus Size Models 110-100-110. Was allerdings jetzt aus den USA zu uns kommt, ist die Diversität. Die ganze Szene, zum Beispiel die Bloggerinnen, die dieses Body-Positivity propagieren, zeigen das. Natürlich sind auch hier die Meinungen darüber geteilt, ob man sich als sexy präsentieren muss, wenn man dick ist. Es geht aber eher darum zu zeigen, dass die Körper sind wie sie sind und, auch im Hinblick auf die jungen Mädchen, zu zeigen dass ein Körper mit Cellulitis, Dellen und Fältchen, die Wirklichkeit ist. Es ist wichtig für dicke Menschen eine mentale Stärke zu erreichen. Ich werde nicht schwitzen aus der Angst heraus, jemand könnte sich an meinen Maßen stören. Das gilt im übrigen generell für alle Frauen. Persönlich finde ich Sexyness toll, aber ich glaube nicht, dass es notwendig ist sich immer in Dessous oder Bikini zu zeigen.

Ich bin durchaus der Meinung, dass jeder zu seinem Körper stehen soll aber manchmal denke ich schon, wenn ich sehr dicke Menschen in kurzem Höschen oder Minikleid sehe, dass das letztendliche Ziel der Mode doch ist, sich schön zu machen. Jeder Körper hat sein „Defizit“, wie auch immer man das bezeichnen mag, ebenso die schlanken. Für mich bedeutet das, man muss seinen Körper kennen, um sich schön und vorteilhaft zu kleiden.

Ja, mir ist es aber egal, wie toll ein Körper ist. Ich frage mich grundsätzlich ob die halbe Pobacke aus der Hose schauen muss.

Genau das ist der Punkt. Ich finde dieses ständige „Zeigen was man hat“ fragwürdig.

Die Frage ist, wie reflektiert ist die Trägerin? Es geht darum sich nicht zum Objekt zu machen. Wir sind mehr als nur ein Körper. Wir sollten uns keinesfalls darauf reduzieren. Nicht dem Klischee folgen, dass man nur dann die Liebe findet, das Glück oder den Erfolg, wenn man schön ist.

Glaubst Du, dass die Entwicklung auch mal dahin geht, dass das Alter keine Rolle mehr spielt?

Da gibt es ja die Best Ager. Bei Plus Size ist 27 die Obergrenze, doch die großen Damen der Szene sind alle über 30. Ich habe das Gefühl, dass auch die Mode insgesamt altersloser wird. Alle streben zwar nach wie vor der Jugend hinterher, doch die Anzahl der Frauen, die 50, 60 oder 70 sind und ihr Alter modebewusst leben, wächst stetig und das finde ich großartig. Ein extremer Kontrast hierzu sind 20 jährigen, die sich die Lippen aufspritzen lassen und sämtliche Dinge tun, um ihren Vorbildern nahe zu kommen. Es ist aber etwas anderes, wenn z.B. Rihanna sich halbnackt auf der Bühne räkelt. Das ist ihr Image, für das sie hart trainiert, wobei die Frage im Raum steht ob sie ihre Stimme verlieren würde, wenn sie dicker wäre?

Warum muss eine Sängerin sexy sein, einen perfekten Body haben?

Sex sells, immer noch. Ich möchte aber noch mal auf die Mode zurück kommen. Wir Plus Size Models beschweren uns darüber, dass die Trends bei uns immer 2 Jahre später ankommen. Und, Plus Size Mode bedeutet nicht nur mehr Stoff in den Schnitt zu geben, sondern die Schnitte müssen den Körpern angepasst sein. Es muss Wiener Nähte geben, Brustabnäher, es muss anders geschneidert werden, damit es an den Körpern sitzt. Es ist es wie bei den Schlanken, es gibt die mit dem Bauch, es gibt die mit dem großen Po und der schmalen Taille, es gibt die langen Beine, es gibt die kurzen Beine…die Schnitte müssen sich der Vielfalt anpassen.

Wo siehst Du deine Zukunft?

Gute Frage. Weiterhin auf der Bühne, aber ich bin jemand, der gerne die Dinge auf sich zukommen läßt. Auch, wenn es in schwierigen Zeiten nicht so leicht fällt. Mein Grundgerüst ist Zuversicht!

Zuversicht strahlt Victorine auch aus, selbst die Zuversicht es möge gelingen, trotz des unerträglich heißen Wetters ein Selfie von uns beiden zu machen. DANKE MISS VICTORINE!

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Kein Ende in Sicht

Die InterviewpartnerInnen für das Buchprojekt CLUB DER GLAMOURÖSEN EXZENTRIKER stehen ja bereits seit einiger Weile fest.

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Aber nun habe ich ein Problem. Es gibt so viele, spannende, interessante, glamouröse und exzentrische Menschen, mit denen ich gerne Gespräche führen möchte, die ich gerne präsentieren möchte, dass ich mich entschlossen habe, diesen Blog ausschließlich als Interview-Blog weiter zu führen. Es wird sich also etwas ändern. Doch was wäre ein Leben ohne Veränderung?

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Ich hoffe und wünsche sehr, dass es Ihnen, liebe Leserschaft, weiterhin Freude bereiten wird, meine Artikel zu lesen.

Bis dahin, herzlichst,

Ihre Stella Ahangi

Buchprojekt

Hier schon mal ein kleiner Appetithappen…..das Buch CLUB DER GLAMOURÖSEN EXZENTRIKER ist im werden. Viele spannende Menschen durfte ich interviewen und Nicole Tiesmeier machte die Photos.

 

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Hier mit EVA & ADELE

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Mit dem charmanten Henry de Winter

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Mit Andrej Hermlin

Ich halte Sie natürlich weiterhin auf dem Laufenden und freue mich auf die vielen glamourösen Exzentriker, die mir noch begegnen werden!

Zwischen Glamour und Charity

Dieter Padar 

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Dieter Padar

Lieber Dieter. Eine Frage interessiert mich natürlich brennend, denn auch ich habe ja Vorfahren aus Persien. Du bist ein persischer Prinz, richtig?

Ja, ich komme aus dem Hause der Kadscharen, das war eine ehemals herrschende Dynastie in Persien. Das ist eigentlich schon alles und ich werde ungerne auf diese Tatsache reduziert.

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Hatte das irgendwelche Auswirkungen auf Dein Leben?

Eigentlich nicht. Ich laufe ja nicht damit prahlend durch die Welt, aber es gibt schon einige Menschen, die damit nicht klar kommen.

Ist das etwa Neid?

Möglich, aber letztendlich ist es ja alles nicht wichtig. Ob ich ein Prinz bin oder nicht, ist nicht von Bedeutung.

Stimmt. Ich bin ja auch eine Königin und niemand weiß es! Was macht Dich aus?

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Was mich ausmacht? Auf den Punkt gebracht, ich lebe vollkommen vorurteilsfrei. Ich sehe keinerlei Begrenzungen, weder in Rasse, Sexualität, Nationalität, Religion – diese Grenzen existieren für mich nicht.

Also ein freier, aufgeklärter Geist.

Ja, aber damit kommt auch nicht jeder zurecht.

Macht es Dir was aus, wenn Menschen mit Dir oder Deiner Art zu denken nicht zurecht kommen?

Kein Mensch kann sagen, es interessiere ihn nicht, wenn Leute ihn nicht mögen. Das ist gelogen und damit spielt man ein dickeres Fell vor, als man tatsächlich hat. Man geht da schon in sich und fragt sich, wo der Fehler lag. Oft ist es ja so, dass wenn Menschen etwas nicht verstehen, es in Boshaftigkeit und Aggression umschlägt und dann kann ich nicht behaupten, dass es an mir abperlt, dann müßte ich ja herzlos sein. Aber früher hat mich so etwas mehr mitgenommen, heute tangiert es mich weniger, man kennt es ja schon.

Also es geht nicht ganz spurlos an Dir vorüber und sicherlich wäre es ungesund, wenn es so wäre. Lassen wir uns über die Marke Dieter Padar unterhalten. Was macht Dieter Padar?

Dieter Padar repräsentiert natürlich einen bestimmten Lifestyle, aber es ist natürlich viel mehr.

Ich weiß, dass Du Dich in vielen sozialen Projekten engagierst, zum Beispiel in der Obdachlosenhilfe.

Ja, das mache ich schon seit vielen Jahren. Allerdings bin ich dort mehr im Hintergrund tätig, aber ich gehe durchaus mit, wenn Hilfsmittel auf der Straße verteilt werden.

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Genau, bei einer solchen Aktion haben wir uns ja auch kennen gelernt. Gibt es neue Projekte, die Du anstrebst?

Ja, und es wird dabei wieder um Kinder gehen. Aber ich kann erst darüber reden, wenn wir ein ok. haben. Natürlich haben wir schon losgelegt, wir haben Sponsoren, tolle Leute mit an Bord aber, wie gesagt, viel kann ich darüber nicht erzählen, nur soweit, es geht um krebskranke Kinder.

Ist Dein soziales Engagement eine Verantwortung, die Du übernimmst, weil Du ja doch eher auf der sonnigen Seite des Lebens geboren wurdest?

Naja, je mehr ich habe, desto mehr kann ich mit anderen teilen. Aber es gibt so viele Menschen, bei der Obdachlosenhilfe zum Beispiel, die kaum etwas haben und trotzdem etwas geben – das ist das erstaunliche dabei. Sie leben selbst am Existenzminimum oder darunter und engagieren sich. Wer Geld zur Verfügung hat, bleibt eher im Hintergrund, stellt ein gewisses Budget zur Verfügung. Ich bin aber auch gerne selbst vor Ort, auch bei Wind und Wetter. Ich schmiere auch Brötchen, nur das Kochen lasse ich sein. Ich kann nicht kochen und meine Suppe würde gewiß nicht schmecken.

Wie bist Du denn auf diese Organisation gestoßen?

Ich hatte immer den Drang etwas zu machen. Immer wenn ich auf den Straßen Berlins unterwegs war und dieses Elend sah. Als ich Kind war, gab es das in diesem Ausmaß noch nicht. Das kannte man nur aus den USA und auch nur aus dem Fernsehapparat. Selbst beim bloßen Ansehen wollte ich etwas tun. Ich gab den Leuten auf der Straße Geld, doch hatte ich auch immer das Gefühl, es ist zu wenig. Aber vom Gedanken bis zur Tat dauerte es ja doch einige Zeit und da kam mir der Zufall zur Hilfe. Ich lernte Leute kennen, die ehrenamtlich in diesem Bereich tätig waren. Das ist jetzt schon ein paar Jahre her.

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Könntest Du Dir vorstellen eine Stiftung zu gründen?

Den Gedanken hatte ich tatsächlich mal, jedoch ist das in Deutschland sehr kompliziert. Hinzu kommt, dass ich nicht so viel Zeit habe und auch gerne meine Freiheit behalten möchte. Ich bevorzuge es, mich privat zu engagieren.

Nun bist Du ja ein bunter Hund und sehr bekannt. Wie kam es zu diesem Bekanntheitsgrad?

Ich weiß es nicht. Anscheinend bin ich aufgefallen. Es ist ja interessant, dass man sich selbst gar nicht so sieht, wie die anderen das tun. Auf jeden Fall kannte man auf einmal Dieter Padar.

Eine Schriftstellerin sagte einmal: wer von allen geliebt wird, wird von allen verachtet.

Das stimmt. Man kann auch nicht von allen geliebt werden. Wenn man in der Öffentlichkeit steht, ist das ohnehin ein ständiges Auf und Ab. Mal wird der gehypt, mal der andere und manchmal wird auch jemand ausgewählt, um nicht so freundlich mit ihm umzugehen.

Dieses Risiko besteht, wenn man eine Person des öffentlichen Lebens ist. Wir sind ja keine Stars, aber stehen durchaus in bestimmten Gesellschaftskreisen im Fokus. Da muss man sich wappnen und sich eine Art Panzer zulegen.

Genau das war ja schon Inhalt am Anfang unseres Gespräches. Heute dein Freund, morgen dein Feind.

Das mit den falschen Freunden ist sicherlich auch ein Thema.

Zu Beginn bin ich völlig offen auf Menschen zugegangen, ohne Angst. Die Erfahrung lehrt einen, vorsichtiger zu sein.

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So ist es und Du hast ja noch viel vor, genau wie ich. Du bist auch ein Interviewpartner für mein Buchprojekt Club der glamourösen Exzentriker und warst einer der ersten hier in Berlin, die ich kennen gelernt habe, also aus den exzentrischen Kreisen. Nun möchte ich hier andere Fragen stellen als im Buch, aber zum Abschluss des Gespräches möchte ich Dich fragen: was ist an Dir exzentrisch?

Bin ich exzentrisch?

Ich erlebe Dich so. Das Spannende ist ja, dass die meisten Exzentriker sich selbst nicht als solche sehen. Außerdem ist gerade Exzentrik etwas, das ohnehin in keine Schablone passt.

Ich liebe die Bühne des Lebens. Ich liebe das Schöne, schöne Menschen, innerlich schöne Menschen, bin ein Ästhet. Ich möchte eine kleine Anekdote erzählen. Ich wollte immer mal zum Afternoon Tea nach London ins Hotel Ritz. Also habe ich das gemacht. Ich habe mir eine Suite gemietet und dann fiel mir auf, dass ich mein Jacket vergessen hatte was hieß, ich musste noch zu einem Herrenausstatter. In London ist das ein Erlebnis!

Vermutlich verbindet alle glamourösen Exzentriker der Hang zur Großzügigkeit. Das war ein kleiner Vorgeschmack auf Dich, lieber Dieter und auf das Buch Club der glamourösen Exzentriker.

Laisser-faire

Das Wort bedeutet in etwa „lassen Sie machen“ oder „lassen Sie laufen“ und steht für den Verzicht von Regulierung, Vorgaben oder Grenzen.

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An heißen Tagen und beinahe ebenso heißen Nächten heißt das, Weglassen aller behindernden Kleidungsstücke!

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Ich bin jedes Mal fassungslos, an eben solchen Tagen Menschen in Jeans zu sehen. Das wäre mir unerträglich! Die arabischen Länder wissen wohl um die Wirkung weiter und langer Kleidungsstücke, wie zum Beispiel den Kaftan. Der Wind fängt sich quasi in der Kleidung und kühlt den Träger. Auch Turbane machen kleidsamen Sinn – die Haare trocknen nicht aus.

Also, weite Hosen, weite Kleider oder Hemden und an den Füßen leichte Sandalen; lässig kühlende Garderobe ist das A und O in diesen Tagen. Ach ja, ein Fächer gehört auch dazu!

Behalten Sie einen kühlen Kopf!

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